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Die vergessenen Erwerbungen und Treffpunkt Rom 1810

Im Schloss Wilhelmshöhe starten fast gleichzeitig zwei Ausstellungen: In der Kabinettausstellung werden die vergessenen Erwerbungen der staatlichen Kunstsammlungen thematisiert. In der Sonderausstellung wird die Geschichte eines Künstlerstammbuchs dargestellt - Treffpunkt Rom 1810.

Deutsche Soldaten beim Betrachten von Druckgrafik bei den »Bouquinistes« am Ufer der Seine, Paris 1940

Vom 1. Oktober 2020 bis 17. Januar 2021: Die vergessenen Erwerbungen in Paris 1941/42

Frankreich wurde im Sommer 1940 von den Nationalsozialisten besetzt. Damit ging ein Raubzug von Kunstwerken einher, der die Enteignung jüdischer Sammlungen vorantrieb. Nicht nur Hitler und Göring bedienten sich in Paris in umfangreichen Maße an den enteigneten Kunstwerken, sondern auch zahlreiche Kunstsammler und Mitarbeiter deutscher Museen, darunter auch Hans Möbius, Archäologe und stellvertretender Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel. Er nutzte 1941/1942 seine Aufenthalte als Kunstschutzoffizier in Paris auch für den Erwerb von Werken. Neben Antiken waren dies Gemälde, Möbel, kunsthandwerkliche Objekte, Graphiken und Bücher.

Diese Erwerbungen wurden nach dem Ende des Krieges von den Alliierten als unrechtmäßig eingestuft und mussten deshalb an Frankreich restituiert werden. In umfangreichen Listen wurden die Erwerbungen erfasst und zurückgeführt. Einige Werke verblieben jedoch in Kassel, da sie entweder zum Zeitpunkt der Rückführungen nicht auffindbar oder nicht identifizierbar waren.

Die Kabinettausstellung widmet sich erstmals dem Thema und stellt anhand von erhaltenen Dokumenten und Fotos die Umstände der Erwerbung vor sowie die anschließenden Bemühungen der Rückgabe an Frankreich nach dem Kriegsende. Im Zentrum stehen dabei einige in Kassel verbliebene Kunstwerke und die Frage, warum diese nicht zurückgegeben wurden.


Johann Friedrich Overbeck (1789-1869), Rückkehr von der Reise und Bekränzung der Penaten, Rom, September 1810

Vom 23. Oktober 2020 bis 24. Januar 2021: Treffpunkt Rom 1810. Die Geschichte eines Künstlerstammbuchs

Im 16. Jahrhundert waren Stammbücher, die Vorläufer unserer Poesiealben" in Mode. Auf Reisen wurden kleinformatige Büchlein mitgenommen, um neue Bekanntschaften oder bedeutende Persönlichkeiten um einen Beitrag zur Erinnerung zu bitten. 

Im Fokus dieser Sonderausstellung steht das Künstlerstammbuch des kunstinteressierten und wohlhabenden Wilhelm von Blackenhagen. Der Adelige war 1808 mit seiner Familie auf einer dreijährigen Bildungsreise, die ihn über Deutschland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und die Schweiz bis nach Italien führte.

Wie Gottlieb Schick oder Christian Daniel Rauch stammen die meisten Künstler, die Blankenhagen um einen Beitrag für sein Stammbuch bat, aus dem unmittelbaren Umfeld Caroline von Humboldts. Die Bedeutung des Albums für die Forschung ist nicht zu unterschätzen. Ergänzt durch eine ausgezeichnete Quellenlage wie Briefe, Tagebuchaufzeichnungen oder Zeitungsberichte veranschaulicht es beispielhaft das Beziehungsgeflecht der Künstler des Humboldt-Kreises.  

Blankenhagens Interesse für Kunst hat sich aber nicht nur in diesem Stammbuch niedergeschlagen. Wie Caroline von Humboldt ließ er seine Töchter durch Gottlieb Schick porträtieren. Als Subskribent unterstützte er das aufwendige Publikationsprojekt der Brüder Riepenhausen zur „Geschichte der Mahlerei in Italien“. Auf seine Initiative hin entwarf Thorvaldsen ein Denkmal für seine Vaterstadt Riga. 

Das Album Wilhelm von Blankenhagens erweitert das zeichnerische Oeuvre sowie die Biographie bedeutender deutscher und russischer Künstler des 19. Jahrhunderts in Italien. Es erbrachte darüber hinaus neue Erkenntnisse zur bislang kaum erforschten Sammeltätigkeit der Deutsch-Balten und zur Gattung des Künstlerstammbuchs im frühen 19. Jahrhundert. Weiter bietet das Entstehungsjahr kunsthistorisches Potential, da sich 1810 durch die Ankunft der Lukasbrüder entscheidende künstlerische Veränderungen ankündigen

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