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Kasseler Demokratie-Impuls

Die Stadt Kassel schreibt in diesem Jahr erstmals eine Auszeichnung mit dem Titel „Kasseler Demokratie-Impuls“ aus.

Gewürdigt werden sollen herausragende wissenschaftliche Arbeiten sowie tiefgreifende, analytische journalistische Arbeiten, welche Rassismus, Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt in der Gesellschaft thematisieren und sich insbesondere mit Rechtsextremismus, Islamfeindlichkeit und Antisemitismus auseinandersetzen. Die Ausschreibung soll bundesweit erfolgen. Sie ist verbunden mit dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und soll jährlich verliehen werden. 

„Die Opfer rechtsextremistischer Gewalttaten, unter ihnen der Kasseler Bürger Halit Yozgat und Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, mahnen uns, konsequent gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit vorzugehen und wachsam zu sein“, betonte Oberbürgermeister Christian Geselle.  Auf seine Initiative hin hatte die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, diese Auszeichnung auch als weiteren Ausdruck des Gedenkens an Halit Yozgat ins Leben zu rufen.

von links: Dr. Steffen Kailitz, Oberbürgermeister Christian Geselle, Prof. Barbara John (Ombudsfrau der Bundesregierung), Taha Kahya (Mitarbeiter der Ombudsfrau)

Jury erarbeitete Kriterien für Auszeichnung

Über die inhaltlichen Kriterien der Ausschreibung und auch den Namen der Auszeichnung hatte sich eine unabhängige fünfköpfige Jury verständigt. Dieser gehören Hans Eichel, ehemaliger Bundesfinanzminister, hessischer Ministerpräsident und Kasseler Oberbürgermeister, Prof. Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer der rechtsextremistischen NSU-Terrorgruppe, ihr Mitarbeiter Taha Kahya, sowie die Politikwissenschaftler Privatdozent Dr. Steffen Kailitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung, und Prof. Dr. Wolfgang Schroeder, Leiter des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften an der Universität Kassel, an.


„Mord ist die politische Kernbotschaft von Rechtsextremismus“, mahnte Prof. Barbara John. „Die Auslobung des ,Kasseler Demokratie-Impuls‘ kann ein wichtiges Zeichen sein, um auf diese Bedrohung aufmerksam zu machen."

„Es wird höchste Zeit, dass wir alle genau hinschauen, was sich am äußersten rechten Rand unserer Gesellschaft tut“, hob Jurymitglied Hans Eichel hervor und zitierte Bertolt Brecht:

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Würdigung wissenschaftlicher und journalistischer Arbeiten

Die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung soll wissenschaftliche und journalistische Arbeiten würdigen, die sich mit Themen wie Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus beschäftigen, Entwicklungen und Fakten aufzeigen, analysieren und einordnen, Präventionswege eröffnen und Impulse setzen. „Angesichts zunehmender menschen- und demokratiefeindlicher Tendenzen, von Hass und Gewalt braucht es eine intensivierte Auseinandersetzung der Wissenschaft über Ursachen, Phänomene und Gegenstrategien. Das ist ein Gebot der Stunde“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Schroeder über die Intention der Auszeichnung. 

Und PD Dr. Steffen Kailitz unterstrich bei der Vorstellung der Ausschreibung in Kassel: „Die Demokratie muss freiheitlich sein und bleiben. Rechtem Terrorismus, rechtsextremistischen Ideologien aber auch alltäglichem Rassismus ist daher entgegen zu wirken. Damit dies gemeinsam gelingt, bedarf es des stetigen Rückhalts und gesellschaftlicher Impulse engagierter Demokraten.“

Bewerbungsfrist läuft bis 15. Januar 2020

Für die Auszeichnung „Kasseler Demokratie-Impuls“ werden veröffentlichte und unveröffentlichte wissenschaftliche und journalistische Arbeiten, Studien und Analysen, die nach dem 1. Januar 2018 abgeschlossen beziehungsweise veröffentlicht wurden, gesucht. Nähere Informationen zur Ausschreibung finden sich auf www.kassel.de/kasselerimpulse. Bewerbungen können bis zum 15. Januar 2020 eingereicht werden an:

Stadt Kassel
Büro des Oberbürgermeisters
Rathaus
34112 Kassel
E-Mail: kasselerimpulsekasselde

Hintergrund

In Kassel wurde am 6. April 2006 der 21-jährige Halit Yozgat von der neonazistischen terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ermordet. Der Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke wurde am 2. Juni dieses Jahres auf seinem Privatgrundstück im Landkreis Kassel von einem mutmaßlich rechtextremistischen Täter erschossen.

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