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Geschichte der Eingemeindungen Kassels

Grafik Eingemeindungen; © Stadt Kassel; Foto: Stadtarchiv Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken!

2011 feierte Kassel ein besonderes Jubiläum: In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden sechs Gemeinden des Landkreises Kassel offiziell zu Kasseler Stadtteilen. Seither hat sich das Stadtgebiet nicht mehr verändert. Die letzten Eingemeindungen aus dem Jahr 1936 bilden damit den Abschluss einer regelrechten Eingemeindungswelle, die ihre Anfänge Ende des 19. Jahrhunderts nahm.

Damals hatte sich Kassel zur Großstadt mit florierender Industrie entwickelt. Im Osten und Norden der Stadt sammelte sich die Industrie an, im Westen prägten großzügige Wohnstraßen das Stadtbild. Die die Stadt umgebenden Dörfer waren schon unterschiedlich stark mit der Stadt Kassel verflochten.


Kassel vergrößert sich erstmals seit dem Mittelalter

Mit der Eingemeindung von Wehlheiden am 1. April 1899 vergrößerte sich Kassels Gemarkung erstmals seit dem Mittelalter. 9900 Einwohner und 372 Hektar Fläche brachte Wehlheiden mit.


Gesetz_1906; © Stadt Kassel; Foto: Stadtarchiv

1906: Die Gemeinden wollen, der Landkreis wehrt sich

Zu einer größeren Welle von Eingemeindungen kam es im Jahr 1906. Wahlershausen, Kirchditmold, Rothenditmold und Bettenhausen zählten nun zu den neuen Stadtteilen Kassels.

Die Eingemeindung der vier Orte wurde von den Bewohnern der Gemeinden initiiert und bereitete dem Landkreis Sorgen. Denn dieser fürchtete die Nachteile, die die Abtrennung der vier finanzstarken Gemeinden mit sich brachte. Bürgermeister von 37 Kreisorten verfassten sogar eine Petition an das Preußische Herrenhaus, so dass sich der Innenminister für eine Kompromisslösung einsetzte.

Der Kompromiss sah vor, dass die Stadt Kassel einmalig 400000 Mark an den Landkreis zahlte. Dies tat sie auch. Am 1. April 1906 gehörten die Gemeinden Wahlershausen, Kirchditmold, Rothenditmold und Bettenhausen offiziell zur Stadt Kassel.


Fuldaschleife_1925; © Stadt Kassel; Foto: Stadtarchiv

Weimarer Republik: Fasanenhof, Kragenhof, Wilhelmshöhe

Zu Weimarer Zeiten wurden lediglich Gutsbezirke - darunter Fasanenhof, Kragenhof und Wilhelmshöhe - eingemeindet.

Im Zuge einer Verwaltungsvereinfachung bereitete der Regierungsbezirk Kassel im Jahr 1927 die Auflösung von 272 Gutsbezirken vor, die bis dahin als eigene politische Einheiten existierten. Dies führte zu einer beachtlichen Gebietsvergrößerung von 2968 Hektar. Obwohl die Eingemeindung weiterer Vororte möglich gewesen wäre, beschränkte sich die Stadt auf die Gutsbezirke. Dies hatte wahltaktische Gründe.

Die entsprechenden Vororte wurden hauptsächlich von Arbeitern mit entsprechender politischer Gesinnung bewohnt. Eine linke Mehrheit aus SPD und KPD wäre in der Stadtverordnetenversammlung nicht zu vermeiden gewesen.

Eingemeindung_1936; © Stadt Kassel; Foto: Stadtarchiv

1936: Wiederbelebung der Stadterweiterungspolitik

Die Eingemeindungen, die während der Weimarer Republik versäumt wurden, nahm rasch die NSDAP in die Hand. Diese hatten allerdings weniger städtebauliche als vielmehr militärische Gründe. Mit der Ausschaltung der Stadtparlamente und der Presse konnten die Eingemeindungen zügig durchgeführt werden, ohne dass sich großer Widerstand regte.

Am 26 Mai 1936 unterzeichnete der damalige Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau, Prinz Philipp von Hessen, die "Entscheidung" zur Eingemeindung der sechs Gemeinden Harleshausen, Wolfsanger, Waldau, Niederzwehren, Oberzwehren und Nordshausen. So wuchs die Fläche der Stadt Kassel um 4233 Hektar auf 11255 Hektar an und die Einwohnerzahl auf knapp 200 000 (198 762)


Militärische Pläne treiben die Eingemeindungen voran

In einer Denkschrift vom Sommer 1934 fasste der damalige Oberbürgermeister die Argumente für die Eingemeindungen der Gemeinden Harleshausen, Wolfsanger, Waldau, Niederzwehren, Oberzwehren und Nordshausen für den Regierungspräsidenten zusammen.

Dabei standen die militärischen Argumente von Anfang an im Vordergrund. Kassel sollte der Hauptwaffenplatz des Westens werden. Dafür war Platz nötig, den die Gemeinden liefern konnten. Geplant waren insbesondere ein Flugplatz in Waldau und die Erweiterung des Standortübungsplatzes der Truppen. Nach und nach sollte sich die gesamte Garnison Kassel über die Gemeinden Oberzwehren und Niederzwehren erstrecken.

Niederzwehren_1920; © Stadt Kassel; Foto: Stadtarchiv

Widerstand zwecklos: Landrat und Gemeinden wehren sich

Die Gegenargumente von Landrat und Gemeinden blieben ungehört. Der Landrat fürchtete vor allem erhöhte Steuerlasten und Gebühren. Diese Sorge teilte er mit den Bewohnern der einzugemeindenden Orte. Vor allem in Niederzwehren regte sich Widerstand. Anhänger aller Parteien – auch der NSDAP – sprachen sich gegen die Eingemeindung ihres Ortes aus.

Der Niederzwehrener Bürgermeister Georg Fladung erklärte noch im Februar 1936, dass die Gemeinde Niederzwehren der Vereinigung in die Stadt Kassel nicht zustimmte.   Trotzdem unterzeichnete der Oberpräsident im Mai den Beschluss zur Eingemeindung.

Diese Stadtteile wurden im Lauf der Jahre eingemeindet

Veröffentlicht am:   17. 08. 2012  


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