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Stadthallengarten

Der im Stadtteil Vorderer Westen liegende Stadthallengarten ist eine bei Jung und Alt gleichermaßen beliebte Parkanlage. Besonders auffallend sind im Frühjahr und Sommer die umfangreichen und reich blühenden Schmuckpflanzungen, die in jedem Jahr immer wieder mit anderen Farbkombinationen überraschen. Nur wenige Besucher wissen jedoch, dass es sich bei der Parkanlage auch um ein über 100 Jahre altes Gartendenkmal handelt. Nach dem Jubiläum in 2014 erfolgte eine umfassende Sanierung des Stadthallengartens. 

Hunde dürfen bei einem Spaziergang an der Leine mitgeführt werden.

Stiefmütterchen an geschwungenen Wegen im Stadthallengarten; © Stadt Kassel; Foto: Weber-Fotografie
Schon in der ersten wärmenden Frühlingssonne lädt der Stadthallengarten zum Verweilen ein.


Gründer war der jüdische Kaufmann Sigmund Aschrott

Das Anlegen des Stadthallengartens wurde vom berühmten Kasseler Kaufmann Sigmund Aschrott initiiert, der unter anderem der Bauherr des Stadtteils Vorderer Westen ist. Anlässlich der damals bevorstehenden 1000-Jahrfeier 1913 und seines 85. Geburtstags stellte Aschrott der Stadt Kassel das Grundstück zum Bau einer Stadthalle zur Verfügung. Im April 1914 wurde die Stadthalle schließlich eingeweiht, die ersten Grundzüge für die umgebenden Parkanlagen wurden ebenfalls angelegt. Seine heutige Ausdehnung erhielt der Stadthallenpark 1929 durch die Umgestaltung des Landschaftsarchitekten Rudolf Stier. Damals wurde das Gelände aufgeschüttet und mit der heute noch vorhandenen Mauer eingefasst. Der Rundweg mit Linden, Pappeln und den Rasenflächen stammt  ebenfalls noch aus jener Zeit.


Sensationserfolg 1950 als Wegbereiter der Bundesgartenschau

Der Stadthallengarten hat eine interessante Geschichte, in der besonders auch das Jahr 1950 herausragt: Damals war er Ausstellungsfläche der „Gartenbauausstellung Kassel“ war. Neben Ausstellungspavillons und –zelten waren vor allem die vielen unterschiedlichen Schmuckbeete und üppig blühenden Pflanzungen sehr beliebt. Obwohl die Schau nur drei Wochen geöffnet war, kamen 50.000 Besucher – ein sensationeller Erfolg, der auch den Weg bereiten sollte zur ersten Bundesgartenschau in Kassel fünf Jahre später. Übrigens: Das Begleitprogramm für die Bundesgartenschau war die erste documenta, die heute weltweit bedeutendste Ausstellung moderner Kunst alle fünf Jahre in Kassel. Das bis heute erhaltene Gestaltungskonzept mit Sitzplätzen, Natursteinmauern, schmalen Wegen aus Betonwerksteinplatten, Sandsteinplatten und wassergebundenen Decken und den vielen Blumenbeeten wurde 1951 von Stadtgartendirektor Albrecht von Eichel-Streiber erstellt. In Anlehnung an seine historische Entwicklung wird der Park nach wie vor vom Umwelt- und Gartenamt regelmäßig mit Blumenzwiebeln, Sommerblumen, Stauden und Rosen bepflanzt und intensiv gepflegt.


Pflanzung von 1000 neuen Stauden

Die interessante und wechselvolle Geschichte des Stadthallengartens wurde unlängst mit Unterstützung der Kasseler Gartenhistorikerin Frau Brechmacher-Ihnen dokumentiert. Auf dieser Basis sind nun Maßnahmen zur Sanierung und langfristigen Erhaltung der Anlage erarbeitet worden. Neben gezielten Gehölzschnitt- und Rodungsarbeiten in dem mit der Zeit vergreisten Strauchbestand gehören dazu neue Pflanzungen mit 1000 ausgesuchten Stauden. Die Pflanzen bieten durch unterschiedliche Blütenfarben und Blütezeitpunkte sowie durch unterschiedliche Laubtexturen und Wuchshöhen zu einem überwiegenden Teil des Jahres ein abwechslungsreiches Bild. Mit dem Kaukasus-Vergißmeinnicht beginnt der Blütenreigen im April und endet mit der amerikanischen Wildaster und der Fetten Henne im Oktober. Höher wachsenden Solitärstauden wie Edelraute und Eulaliagras setzen gezielt Akzente. Gemäß dem Charakter des denkmalgeschützten Stadthallengartens werden keine neue Züchtungen verwendet, sondern bereits seit langem bekannte, bewährte Stauden, die auch in Anlagen der 50-er Jahre anzutreffen sind. Das Ziel, die Pflanzenvielfalt des Stadthallengartens durch die Ergänzung mit dem bislang weniger in Erscheinung getretenen Formen- und Farbenreichtum der Stauden zu ergänzen, wurde bzw. wird nach und nach realisiert.

Stadthallengarten im Stadtplan; © Stadt Kassel, Karte: Vermessung und Geoinformation


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Veröffentlicht am:   27. 04. 2017  


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