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500 Jahre Reformation – Kassel als Vorreiter im Protestantismus

Zahlreiche Veranstaltungen gibt es in Kassel zum Lutherjahr 2017 - aus gutem Grund, denn Kassel war von Anfang an Teil der religiösen und schnell auch politischen Bewegung des Protestantismus. Dies prägte nicht nur die Glaubensüberzeugungen der Menschen, sondern hatte nachhaltige sichtbare Auswirkungen auf Land und Leute. Hierzu gehören beispielsweise die Betonung der Rechte und der Verantwortung des Einzelnen, aber auch die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Musik.

Luther im Mittelpunkt der führenden Köpfe der Reformation; © (Foto: Wikimedia commons)
Die führenden Köpfe der Reformation gruppieren sich um den schreibenden Martin Luther: Von oben links: Heinrich Bullinger, Girolamo Zanchi, John Knox, Huldrych Zwingli, Martir (?), Martin Bucer, Matthew Parker, William Perkins, Philipp Melanchthon, Martin Luther, Jean Calvin, Theodore de Bèze (Beza) und John Wyclif um einen Tisch sitzend, Öl auf Leinwand, 87 x 142 cm, deutsche Schule des frühen 17. Jahrhunderts (Foto: Wikimedia commons)

 

Zur Musik passen zahlreiche Konzerte, und auch dies mit guten Bezügen zur Stadt: So hat der bekannte evangelische Komponist Heinrich Schütz in Kassel seine Ausbildung erhalten. Nach ihm sind eine Schule und eine Straße benannt. Und Johann Sebastian Bach - der große Komponist des Protestantismus - gab in der Martinskirche 1732 ein Orgelkonzert.

Martinskirche, vom Rathaus aus gesehen.; © Stadt Kassel; Foto: Stephan Kaiser Die Türme der Martinskirche prägen Kassels Silhouette

Historie des Protestantismus in Kassel

Mit seinen 95 Thesen zu Missständen in der Kirche hatte der damalige Mönch 1517 in Wittenberg den Anstoß zur Reformation gegeben – nicht ahnend, welche umwälzenden Folgen dies für das Land und den Kontinent haben sollte.

Und die Landgrafschaft wurde schnell ein bedeutendes Zentrum der neuen Bewegung. Landgraf Philipp von Hessen trat bereits 1524 zum Protestantismus über, und gemäß des alten Grundsatzes "Cuius regio, eius religio" (Wessen Reich, dessen Glaube) waren damit auch alle seine Untertanen Protestanten geworden.

Philipp wurde ein bedeutender politischer Anführer des Protestantismus. Er erkannte früh die religiöse und politische Bedeutung der Lehre Luthers und verstand es, Hessen innerhalb kürzester Zeit eine zentrale Rolle im Konzert der protestantischen deutschen und europäischen Mächte des frühen 16. Jahrhunderts zu verschaffen. Er scheute nicht vor Konflikten mit dem Kaiser und der habsburgischen Weltmacht zurück. Die Gegensätze innerhalb der Reformation versuchte er zu kitten. Unter seiner Vermittlung kam es 1529 zum Marburger Religionsgespräch mit Luther und Zwingli.

Hessen verdankt ihm einen bis dahin nicht gekannten Modernisierungsschub in der staatlichen Verwaltung, in Bildung und Forschung (unter anderem mit der Gründung der Universität Marburg) sowie beim Aufbau sozialer Einrichtungen. Nach 49 Jahren Regierungszeit starb Philipp von Hessen, genannt "der Großmütige", und wurde in der Martinskirche beigesetzt. Diese wurde zur traditionellen Begräbnisstätte des hessischen Landgrafenhauses.

Anfang des 17. Jahrhunderts schloss sich Landgraf Moritz der Gelehrte der Lehre des Calvins an. Hessen-Kassel wurde somit evangelisch-reformiert und geriet damit innerhalb des protestantischen Lagers in eine Außenseiterrolle, was im Dreißigjährigen Krieg fast den Untergang zur Folge hatte. Andererseits begründete sich in der konfessionellen Ausrichtung auch eine feste Anbindung an die aufsteigende Macht Brandenburg-Preußen. Auch die Aufnahme tausender ebenfalls reformierter hugenottischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich in Hessen-Kassel ist unter anderem durch die Verbindung zur Lehre Calvins begründet.

Lange gab es zwischen reformierten und lutherischen Gemeinden in Hessen-Kassel Auseinandersetzungen. Die Gemeinden der heutigen Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck mit Bischofssitz in Kassel sind reformiert, lutherisch oder uniert, bezeichnen sich aber gemeinhin einfach als evangelisch. Die Landeskirche hat sich in dieser Tradition der Überwindung von Gegensätzen verschrieben, auch im Miteinander der Konfessionen.


Martinskirche als Bischofssitz

Die protestantische Hauptkirche in Kassel, die Martinskirche, ist der Bischofssitz der Landeskirche. Sie ist übrigens nicht nach dem großen Reformator benannt. Ihr Namenspatron ist vielmehr Martin von Tours (316/317–397), der Reichsheilige der Franken, der seinen Mantel geteilt hat, der Schutzheilige der Reisenden, der Retter der Armen und Bettler.


Veranstaltungen in Stadt und Region zum Lutherjahr 2017


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