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Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“, vergeben von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel, geht im Jahr 2017 an die Schriftstellerin Karen Duve. Der Preis zeichnet die 1961 geborene Autorin für ihre sprachkräftige Erzählkunst aus, die das Komische vielseitig und gewagt gestaltet. Das gilt für ihre engagierten und realistischen Romane, von denen einige für Film und Theater verarbeitet wurden; es gilt auch für Fantastisches wie die eigenwillige Verarbeitung von Märchen der Brüder Grimm. Dies gab Oberbürgermeister Bertram Hilgen im Juni bekannt.

 

Die Preisverleihung findet am 11. Februar 2017 im Kasseler Rathaus statt. Die Laudatio hält der Leiter des Literaturhauses Hamburg, Professor Dr. Rainer Moritz.

Die Schriftstellerin karen Duve vor einer Graffiti-Wand; © Kerstin Ahlrichs

Über Karen Duve

Karen Duve, 1961 in Hamburg geboren, lebt als freie Schriftstellerin auf einem Hof in der Märkischen Schweiz, Brandenburg. Nach dem Abitur ging sie verschiedenen Tätigkeiten nach, u. a. war sie Korrektorin und fuhr 13 Jahre lang in Hamburg Taxi. Seit 1990 ist Duve freie Schriftstellerin. 1995 erschien ihre erste Erzählung "Im tiefen Schnee ein stilles Heim", 1999 ihr erster Roman "Regenroman". Zu ihren bekanntesten Büchern gehören "Dies ist kein Liebeslied" (2002) und der Roman "Taxi" (2008), der 2015 verfilmt wurde. Stipendienaufenthalte führten sie u. a. nach Stuttgart, New York und Hanoi (Vietnam).

Mit ihrem lakonischen, kraftvollen und tragikomischen Stil gestaltet Karen Duve hautnah Einblicke in die menschliche, vor allem die weibliche Psyche, in Verwerfungen zwischenmenschlicher Beziehungen oder in gesellschaftspolitische und ökologische Krisen. Das fiktionale Spektrum reicht dabei vom dokumentarischen Selbstversuch ("Anständig essen", 2011), über autobiografisch angereicherten Realismus ("Taxi") bis zum Fantastischen ("Die entführte Prinzessin", 2005). So kommt es auch zur mitunter drastisch komischen Verarbeitung von klassischen Märchenstoffen wie im Erzählband "Grrrimm" (2012), für den fünf bekannte Grimm-Märchen postmodern umgedichtet wurden. Durch das Werk zieht sich die Auseinandersetzung mit der oft zerstörerischen Energie der Macht, die dann im Zentrum des jüngsten Romans steht ("Macht" 2016). Gerade an diesem politisch und moralisch engagierten Buch scheiden sich die Geister der Kritik. Verrisse hat es besonders dort gegeben, wo man – anders als die Jury des Kasseler Literaturpreises – die satirische Ambivalenz, die auch den Leser fordert, nicht erkennen konnte oder wollte.

Porträtbild Ferdinand Schmalz; © privat Ferdinand Schmalz ist gilt als Shootingstar unter den jungen deutschsprachigen Dramatikern

Ferdinand Schmalz erhält den Förderpreis Komische Literatur 2017

Der junge Wiener Dramatiker Ferdinand Schmalz, 1985 in Graz geboren, erhält im Jahr 2017 den Förderpreis Komische Literatur. Dies gab Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen jetzt bekannt. Die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung wird auf Vorschlag von Verlagen durch die Stadt Kassel und die Stiftung Brückner-Kühner an Autoren verliehen, die sich noch in einer frühen Phase ihres Lebenswerks befinden und auf hohem künstlerischen Niveau das Komische gestalten.

Ferdinand Schmalz wurde 1985 in Graz als Matthias Schweiger geboren. Der Dramatiker und Theaterwissenschaftler studierte Theaterwissenschaft und Philosophie in Wien. Am Schauspielhaus Wien und Schauspielhaus Düsseldorf war er als Regieassistent tätig. Schmalz ist Mitglied im freien Kollektiv "mulde_17" und Mitbegründer des Grazer Festivals "Plötzlichkeiten". Auftragswerke schrieb er für das Schauspielhaus Graz, das Schauspiel Leipzig und das Schauspielhaus Zürich.

Statuette; © Stiftung Brückner-Kühner

Über den Literaturpreis

Der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wurde der Stadt Kassel von der Stiftung Brückner-Kühner zum Geschenk gemacht und erstmals 1985 vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wird Sprachkünstlern (im ersten Jahrzehnt des Preises auch Literaturwissenschaftlern) zugesprochen, deren Werk sich auf hohem künstlerischem Niveau durch Humor, Komik und Groteske auszeichnet.

Folgende Personen erhielten die Kasseler Auszeichnung: Loriot, Eike Christian Hirsch, Ernst Jandl, Wolfgang Preisendanz, Irmtraud Morgner, Ernst Kretschmer, Robert Gernhardt, Walter Hinck, Christoph Meckel, Volker Klotz, Hanns Dieter Hüsch, Karl Riha, Max Goldt, Franzobel, Ingomar von Kieseritzky, Peter Bichsel, George Tabori, Franz Hohler, Eugen Egner, Ror Wolf, Katja Lange-Müller, Gerhard Polt, F.W. Bernstein, Peter Rühmkorf, Herbert Achternbusch, Thomas Kapielski, Ulrich Holbein, Wilhelm Genazino, Dieter Hildebrandt, Frank Schulz, Wolf Haas und zuletzt Karen Duve.

Den gleichzeitig vergebenen „Förderpreis Komische Literatur“ in Höhe von 3000 Euro, gefördert von der Kasseler Sparkasse, erhielten Frank Schulz, Jochen Schmidt, Tilman Rammstedt, Jess Jochimsen, Philipp Tingler, Michael Stauffer, Rebekka Kricheldorf, Jan Neumann, Tino Hanekamp, Wolfram Lotz, Arno Camenisch, Kirsten Fuchs und Ferdinand Schmalz.

Die Stiftung Brückner-Kühner
Die Stiftung wurde 1984 von den Schriftstellern Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner ins Leben gerufen, die 30 Jahre zusammen in Kassel lebten und dort 1996 kurz nacheinander verstarben. Die Stiftung wirkt heute als Literaturzentrum auf den Gebieten des Komischen und der international avancierten Poesie, und sie unterhält das Dichterhaus Brückner-Kühner als Literaturmuseum, um von hier aus die Erinnerung an das Stifterpaar wach zu halten.

Dem Stiftungsrat gehören folgende Personen an: der Literaturprofessor Dr. Dr. h.c. Walter Pape (Vorsitzender, Köln), die Lektorinnen Friederike Emmerling (Frankfurt a.M.) und Dr. Renate Jakobson (Berlin), der Autor und Kasseler Literaturpreisträger Ingomar von Kieseritzky (Berlin), der Literaturwissenschaftler und Autor Christian Maintz (Hamburg), der Literaturprofessor Dr. Uwe Wirth (Gießen), Dr. Thomas Wohlfahrt, Leiter der literaturWERKstatt Berlin, sowie einmalig der jeweilige Preisträger. Geschäftsführender Kurator der Stiftung ist der Literaturwissenschaftler Dr. Friedrich W. Block.
 

Weitere Informationen

Veröffentlicht am:   22. 12. 2016  

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